Mondkalender 2027: Omas altes Wissen für das neue Jahr
In der Küche meiner Oma hing neben dem Fenster immer ein Kalender, auf dem kleine schwarze und weiße Kreise gedruckt waren. Bevor sie Bohnen legte, die Fenster putzte oder den Kindern die Haare schnitt, ging ihr Blick zuerst dorthin. Als Kind fand ich das seltsam. Heute verstehe ich, dass dieser Kalender für sie eine Art Ordnung im Jahr war, ein Rhythmus, den schon ihre Mutter und Großmutter kannten.
In diesem Artikel erkläre ich dir, was ein Mondkalender eigentlich ist, wie du die Mondphasen selbst am Himmel erkennst und welche Bräuche Oma damit verband. Eines vorweg: Alles, was ich über Garten und Haushalt erzähle, ist überliefertes Wissen. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Mondphasen solche Arbeiten beeinflussen, gibt es nicht. Ich schreibe es auf, weil es ein Stück Familiengeschichte ist und weil viele Menschen Freude daran haben, ihr Jahr nach dem Mond zu ordnen.
Was ist ein Mondkalender?
Ein Mondkalender zeigt dir für jeden Tag, in welcher Phase sich der Mond gerade befindet. Viele Mondkalender verzeichnen außerdem, durch welches Tierkreiszeichen der Mond wandert, und ob er auf- oder absteigend ist. Aus diesen Angaben leiteten die Menschen früher ab, wann nach altem Brauch der passende Zeitpunkt für bestimmte Arbeiten war.
Der Mond braucht ungefähr 29,5 Tage, bis er wieder dieselbe Phase erreicht. Das ist der Grund, warum die Vollmondtage jedes Jahr auf andere Daten fallen und warum man für jedes Jahr einen neuen Kalender braucht. Einen Kalender für 2027 aus dem Kopf zu schreiben, geht also nicht. Die genauen Zeitpunkte werden astronomisch berechnet.
Die vier Mondphasen
Der Mond leuchtet nicht selbst. Wir sehen immer den Teil, den die Sonne gerade anstrahlt. Weil der Mond die Erde umkreist, verändert sich dieser beleuchtete Teil von Nacht zu Nacht.
Neumond: Der Mond steht zwischen Erde und Sonne. Seine beleuchtete Seite zeigt von uns weg, am Himmel ist er praktisch nicht zu sehen.
Zunehmender Mond: Nach dem Neumond erscheint abends eine schmale Sichel, die Nacht für Nacht breiter wird. Etwa in der Mitte dieser Zeit ist genau die Hälfte beleuchtet, das nennt man das erste Viertel.
Vollmond: Die Erde steht zwischen Sonne und Mond, und wir sehen die ganze beleuchtete Scheibe. Der Vollmond geht ungefähr dann auf, wenn die Sonne untergeht.
Abnehmender Mond: Nach dem Vollmond schrumpft der beleuchtete Teil wieder. Bei halber Beleuchtung spricht man vom letzten Viertel. Die abnehmende Sichel sieht man vor allem in der zweiten Nachthälfte und am frühen Morgen.
Zunehmend oder abnehmend? So erkennst du es am Himmel
Diese Frage hat Oma mir an vielen Abenden auf der Bank vor dem Haus gestellt. Die Regel gilt für uns auf der Nordhalbkugel, also auch überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zunehmender Mond: Die rechte Seite ist beleuchtet. Der helle Bogen zeigt nach rechts, die Sichel sieht aus wie eine schließende Klammer „)". Merk dir: Licht rechts, der Mond wird mehr.
Abnehmender Mond: Die linke Seite ist beleuchtet. Der helle Bogen zeigt nach links, wie eine öffnende Klammer „(". Das ist dieselbe Rundung, die ein kleines, handgeschriebenes „a" auf seiner linken Seite hat. Rundung links heißt also: abnehmend.
Eine zweite Hilfe ist die Uhrzeit. Eine Sichel, die du kurz nach Sonnenuntergang im Westen siehst, ist zunehmend. Eine Sichel, die du frühmorgens vor Sonnenaufgang im Osten entdeckst, ist abnehmend.
Kleiner Hinweis, falls du einmal verreist: Auf der Südhalbkugel ist es genau umgekehrt, dort ist der zunehmende Mond links beleuchtet.
Was nach altem Brauch im Garten gemacht wurde
Im Garten richtete Oma sich besonders gern nach dem Mond. So hat sie es von ihrer Mutter übernommen, und so steht es in vielen alten Bauernkalendern:
- Bei zunehmendem Mond säte und pflanzte sie, was über der Erde wächst: Salat, Bohnen, Erbsen, Kräuter und Blumen. Auch Zimmerpflanzen wurden in dieser Zeit umgetopft.
- Bei abnehmendem Mond kamen die Pflanzen in die Erde, bei denen man die Wurzel oder Knolle erntet, also Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Rote Bete. Auch Unkraut jäten, Hecken schneiden und den Kompost umsetzen legte sie auf diese Tage.
- Um den Vollmond wurde nach altem Brauch geerntet, was man frisch essen wollte, und Kräuter wurden gesammelt.
- Um den Neumond ließ Oma den Garten meist ruhen. Sie nutzte die Tage zum Aufräumen, Planen und für das Säubern der Werkzeuge.
Ob die Pflanzen deshalb anders wachsen, lässt sich nicht belegen. Für Oma war der Mondkalender aber auch ein guter Plan, damit im Frühjahr nichts vergessen wurde.
Was nach altem Brauch im Haushalt gemacht wurde
Auch im Haus gab es bei ihr Tage, die nach Überlieferung für bestimmte Arbeiten vorgesehen waren:
- Bei abnehmendem Mond stand das große Putzen an: Fenster, Böden, Schränke auswischen, Wäsche waschen und Flecken behandeln. Auch das Ausmisten von Kellern und Dachböden verlegte man traditionell in diese Zeit.
- Bei zunehmendem Mond wurde eher Vorrat angelegt, eingekocht und Neues begonnen, zum Beispiel ein Handarbeitsstück oder das Streichen eines Zimmers.
- Zum Haareschneiden wählte man in vielen Familien nach altem Brauch den zunehmenden Mond, wenn man die Haare lang tragen wollte, und den abnehmenden, wenn man einen kurzen Schnitt bevorzugte.
- Vollmondnächte waren bei Oma die Nächte, in denen sie die Kräuter zum Trocknen aufhängte und Rezepte in ihr Heft schrieb.
Das sind Bräuche, keine Regeln mit Nachweis. Wenn du magst, probiere einfach aus, ob dir so ein Rhythmus beim Planen gefällt.
So nutzt du einen Mondkalender
Ein Mondkalender wird am nützlichsten, wenn er dort hängt, wo du ihn täglich siehst. Bei Oma war das die Küche. Ein paar Gewohnheiten, die sich bei mir bewährt haben:
- Einmal im Monat vorausschauen. Nimm dir am Monatsanfang zehn Minuten und markiere dir die Neumond- und Vollmondtage. Dann siehst du auf einen Blick, wann die zu- und abnehmenden Tage liegen.
- Große Arbeiten eintragen. Schreib Aussaat, Frühjahrsputz oder Einkochen direkt in die passenden Wochen. So verteilt sich die Arbeit, und nichts drängt sich zusammen.
- Den Himmel dazu anschauen. Vergleiche an klaren Abenden, was im Kalender steht, mit dem, was du oben siehst. Nach ein paar Wochen erkennst du die Phase ohne Nachschlagen.
- Notizen machen. Oma schrieb an den Rand, wann die ersten Radieschen kamen oder wann die Schwalben zurück waren. Solche Notizen machen den Kalender zu deinem eigenen kleinen Jahrbuch.
- Gelassen bleiben. Wenn das Wetter nicht mitspielt oder die Zeit fehlt, verschiebst du die Arbeit einfach. Oma sagte immer, der Mond kommt ja wieder.
Omas Mondkalender 2027
Weil ich Omas Kalender so vermisst habe, habe ich einen eigenen gestaltet, mit allen Mondphasen für das Jahr 2027, mit Platz für Notizen und den alten Bräuchen für jeden Monat. Er ist so aufgebaut, wie ich es in diesem Artikel beschrieben habe, damit du dein Jahr in Ruhe planen kannst, ohne selbst nachzuschlagen. Wenn du ihn dir ansehen möchtest, findest du Omas Mondkalender 2027 hier: Omas Mondkalender 2027 auf Etsy ansehen