Putzen mit Natron: Was Oma womit gemacht hat
Bei meiner Oma stand kein Regal voller Sprühflaschen. Es gab eine Dose Natron, eine Flasche Haushaltsessig, ein Stück Kernseife und einen Stapel alter Baumwolltücher. Putzen mit Natron war für sie keine Idee aus dem Internet, sondern schlicht das, was da war. Ich habe ihr als Kind zugesehen, wie sie das Backblech einweichte, während der Kaffee durchlief. Später hat sie mir ihre Zettel gegeben. Hier steht, wie sie es gemacht hat. Nicht mehr, nicht weniger.
Was bei Oma im Schrank stand
Vier Dinge, mehr nicht.
Natron, immer in der kleinen Dose aus der Drogerie. Auf der Packung steht Natriumhydrogencarbonat oder Speisenatron. Ein feines weißes Pulver. Zwischen den Fingern fühlt es sich leicht sandig an, und genau darum ging es Oma.
Haushaltsessig, auf dem Etikett meist mit fünf Prozent Säure angegeben. Daneben die Essigessenz mit fünfundzwanzig Prozent. Die hat sie nie pur verwendet, sondern immer verdünnt, und die Flasche stand ganz oben im Schrank. Verdünnt wird vor jedem Einsatz, etwa 1 Teil Essenz auf 4 Teile Wasser, das entspricht ungefähr der Stärke von Haushaltsessig.
Kernseife, ein Stück, in Streifen geschnitten. Und Tücher aus alten Bettbezügen, in Vierecke gerissen.
Dazu kamen Werkzeuge: eine ausgediente Zahnbürste, ein Holzschaber, ein Eimer. "Weniger Flaschen, mehr Ellenbogen", hat sie gesagt. Für sie waren Hausmittel zum Putzen keine Weltanschauung, sondern Sparsamkeit.
Putzen mit Natron: die Paste für Backblech und Herd
Das war ihr Standardrezept, und sie hat es nie aufgeschrieben, weil sie es im Schlaf konnte.
Zutaten: 3 Esslöffel Natron, 1 Esslöffel warmes Wasser.
So ging es: Natron in eine Untertasse geben, das Wasser tropfenweise dazu, mit dem Löffel verrühren, bis eine Paste entsteht. Sie soll so dick sein wie Zahnpasta und am Löffel hängen bleiben. Die Paste mit der alten Zahnbürste oder dem Finger auf die eingebrannte Stelle streichen, ruhig fingerdick. Dann 20 bis 30 Minuten stehen lassen. Bei sehr hartnäckigen Rändern hat Oma das Blech über Nacht stehen lassen und ein feuchtes Tuch darüber gelegt, damit die Paste nicht austrocknet.
Danach mit dem Holzschaber oder der Bürste in kleinen Kreisen arbeiten. Zum Schluss mit einem feuchten Tuch abnehmen und zweimal mit klarem Wasser nachwischen.
Was schiefgehen kann: Wer zu viel Wasser nimmt, bekommt eine Brühe, die von der schrägen Blechkante läuft. Wer nur einmal nachwischt, sieht am nächsten Tag weiße Schlieren, weil Natronreste antrocknen. Und wer sofort schrubbt, statt einweichen zu lassen, reibt lange umsonst. "Erst weichen, dann reiben", war ihr Satz dazu.
Nicht angefasst hat sie damit Aluminiumtöpfe und Alubleche, weil das Metall dunkle Flecken bekommt. Auf Glaskeramik hat sie die Paste nur feucht und mit weichem Tuch verwendet, nie trocken, weil trockene Körner feine matte Spuren ziehen können.
Natron und Essig beim Putzen: warum Oma sie getrennt hielt
Hier wird es interessant, denn im Netz sieht man die beiden ständig zusammen in einer Schüssel schäumen.
Oma hat Natron und Essig fast nie gemischt. Wenn Natron und Essig zusammenkommen, reagieren sie miteinander und heben sich dabei gegenseitig auf. Zurück bleiben Wasser, Kohlendioxid und ein Salz. Das Sprudeln sieht spektakulär aus, aber danach hat man weder das eine noch das andere Mittel in der Hand. Deshalb galt bei ihr: getrennt einsetzen, jedes für seine Aufgabe. "Zusammen machen die zwei Theater, getrennt machen sie Arbeit."
Eine Ausnahme gab es. Im Abfluss ging es ihr um die Bewegung, nicht um das Mittel. 3 Esslöffel Natron in den trockenen Abfluss, 100 Milliliter Haushaltsessig hinterher, 10 Minuten stehen lassen, dann einen Liter heißes Wasser nachgießen. Bei Kunststoffrohren nur heiß, nicht kochend.
Was schiefgehen kann: Diese Mischung gehört niemals in eine verschlossene Flasche oder in ein zugeschraubtes Gefäß, weil das entstehende Gas Druck aufbaut. Und wer schon einen chemischen Rohrreiniger im Siphon hat, gießt nichts hinterher, sondern ruft den Klempner.
Essig für Kalkränder an Armaturen und Wasserkocher
Für Kalk war bei Oma immer der Essig zuständig, nie das Natron.
Armaturen: 1 Teil Haushaltsessig auf 4 Teile Wasser. Küchenpapier oder ein Tuchstreifen darin tränken, um den Hahn und den Perlator wickeln, 30 Minuten liegen lassen, abnehmen, mit klarem Wasser nachspülen, trocken reiben. Danach glänzt es erst richtig.
Wasserkocher: 250 Milliliter Haushaltsessig auf 750 Milliliter Wasser, einmal erwärmen, nicht sprudelnd kochen, eine Stunde stehen lassen, ausgießen. Danach zweimal mit klarem Wasser auskochen und dieses Wasser wegschütten.
Was schiefgehen kann: Essig hat auf Naturstein, Marmor und unversiegelten Fliesen nichts verloren, dort entstehen matte Stellen. Gummidichtungen und verchromte Teile mögen keine stundenlange Einwirkzeit. Und der Geruch bleibt im Raum, also Fenster auf. Oma hat eine Zitronenschale mit in die Mischung gelegt, allein wegen der Nase.
Omas Putztipps, die nichts kosten
Diese Sätze standen auf ihren Zetteln zwischen den Rezepten.
Kaltes Wasser für Eiweiß und Blut, heißes für Fett. Andersherum wird es schlimmer.
Das Tuch in Viertel falten. So hat man acht saubere Seiten, bevor man es auswaschen muss.
Immer von oben nach unten arbeiten. Staub fällt, und dann wischt man zweimal.
Fenster nie in der prallen Sonne putzen, weil die Flüssigkeit trocknet, bevor man abziehen kann. Oma nahm Zeitungspapier zum Nachpolieren. Bei heutiger Druckfarbe schmiert das schnell, ein altes Leinentuch ist die sicherere Wahl.
Und ein Eimer pro Runde. Wenn das Wasser grau ist, wird gewechselt, sonst verteilt man nur.
Sicherheit geht vor
Natron und Essig sind Reinigungsmittel, keine Arzneimittel. Mische sie niemals mit Chlorreiniger, chemischem Rohrreiniger oder anderen Haushaltsreinigern, dabei können reizende Dämpfe entstehen. Bewahre beides außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf und fülle nichts in Getränkeflaschen um. Essigessenz mit fünfundzwanzig Prozent ist ätzend, sie verursacht Verätzungen auf Haut und in den Augen. Beim Umfüllen und Verdünnen von Essigessenz immer Handschuhe und Schutzbrille tragen, den Raum lüften und die Essenz ins Wasser geben, nicht umgekehrt. Wenn Essig oder Essigessenz ins Auge gelangt, spüle sofort mit viel Wasser und such ärztliche Hilfe. Bei Verschlucken oder Augenkontakt sofort die Giftinformationszentrale anrufen, die Nummern der Zentralen stehen auf giftnotruf.de, im Notfall 112. Bei Hautreizungen, die nicht abklingen, bei Atembeschwerden oder wenn du unsicher bist, geh zum Arzt. Dieser Artikel beschreibt, wie in Omas Haushalt geputzt wurde, und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was davon bleibt
Ich putze nicht ausschließlich so. Es gibt Tage mit Spülmaschinentab und Fertigreiniger, und das ist in Ordnung. Aber die Natronpaste steht bei mir immer noch neben dem Herd, und der Essig steht neben der Spüle. Es sind zwei Dosen statt zehn Flaschen, und ich weiß bei beiden, was drin ist.
Omas Sammlung liegt inzwischen auf Karten. 124 Stück, Hausmittel und Haushaltstipps, im Vintage-Look, so aufgeschrieben, wie sie es mir erklärt hat, mit Mengen und Reihenfolge. Die Putzkarten sind ein Teil davon. Wer mag, schaut sie sich in Ruhe an: Omas Putzkarten auf Etsy ansehen. Und wer lieber nur die Natronpaste aus diesem Artikel ausprobiert, hat auch nichts verpasst.