Weihnachtskarten selber machen: Falzen, Gestalten, Schreiben
Über dem Kohleofen in Omas Küche hing im Dezember eine Wäscheleine. Keine Socken daran, sondern Karten. Jede Weihnachtskarte, die mit der Post kam, klemmte sie mit einer Holzklammer an die Schnur, und bis Heiligabend hing dort eine ganze Reihe: Engel, Tannen, verschneite Dörfer, dazwischen ein paar krumme Zeichnungen von uns Enkeln. Wenn der Ofen bullerte, bewegten sich die Karten leicht in der warmen Luft. Ich saß auf der Ofenbank und las die Rückseiten.
Ihre eigenen Karten hat Oma immer selbst gemacht: Karton vom Schreibwarenladen, mit dem Brotmesser gefalzt, mit Füller beschrieben. Hier zeige ich dir, wie du Weihnachtskarten selber machen kannst, auch wenn du noch nie gebastelt hast.
Material und Formate: Karton, Messer, Lineal und drei Maße
Du kommst mit wenigen Dingen aus, das meiste hast du wahrscheinlich schon zu Hause.
- Karton mit 200 bis 250 g/m². Diese Grammatur braucht eine Klappkarte, damit sie aufrecht steht. Normales Druckerpapier hat 80 g und knickt um. Über 250 g wird es für viele Heimdrucker zu dick. Ob deiner dicken Karton verarbeitet, steht im Handbuch unter "Papiergewicht". Oft geht das nur über den hinteren oder manuellen Einzug.
- Falzbein oder die Rückseite eines Messers. Ein Falzbein ist ein flaches Stück Kunststoff zum Vorritzen. Oma nahm die stumpfe Rückseite eines Buttermessers, das geht genauso gut.
- Cutter, Schneideunterlage und Metalllineal. Cutter und Lineal geben gerade Kanten. An einem Holz- oder Plastiklineal frisst sich der Cutter fest, und die Kante wird wellig. Als Unterlage taugt ein dickes Stück Pappe.
Bei den Formaten geht es nur um drei Zahlen, und die passen zueinander.
- Klappkarte A6. Die geschlossene Karte misst 105 × 148 mm. Dafür brauchst du ein Blatt A5, also 148 × 210 mm, das du einmal in der Mitte falzt. Ein A4-Bogen ergibt zwei Karten.
- Umschlag C6. Er misst 114 × 162 mm und ist genau für A6 gemacht: Rundherum bleiben ein paar Millimeter Luft, sodass die Karte hineinrutscht, ohne zu klemmen.
- Postkarte A6. Auch 105 × 148 mm, nur ohne Falz und ohne Umschlag. Vorne das Bild, hinten links der Text, rechts Adresse und Marke. Ein senkrechter Bleistiftstrich teilt die Rückseite.
Für einen selbst gefalteten Umschlag nimm dünneres Papier mit 100 bis 120 g.
Drucken und falzen Schritt für Schritt
So gehe ich in meiner eigenen Küche vor.
- Vorlage im Format A5 quer anlegen. Die rechte Hälfte wird die Vorderseite der Karte, die linke die Rückseite. Innenseite und Außenseite sind zwei getrennte Druckseiten.
- Probedruck auf normalem Papier. Bevor der teure Karton in den Drucker geht, drucke die Vorlage auf 80-g-Papier und falte sie. Ich habe einmal zehn Bögen mit dem Motiv auf der Rückseite gedruckt, weil ich das übersprungen habe.
- Karton einlegen. Beim beidseitigen Druck das Blatt nach der ersten Seite ein paar Minuten trocknen lassen, bevor du es wendest. Tinte auf Karton braucht länger als auf Papier.
- Falzlinie markieren. Miss die Mitte aus, bei A5 quer sind das 105 mm vom Rand, und setze oben und unten einen feinen Bleistiftpunkt.
- Vorritzen. Lineal an die beiden Punkte legen und mit Falzbein oder Messerrücken einmal kräftig entlangziehen. Nicht schneiden, nur drücken. Du hörst ein leises Knistern, wenn die Fasern nachgeben.
- Falten. Knicke die Karte so, dass die Rille außen auf dem Rücken liegt. Dann bricht die Oberfläche nicht auf. Streiche den Falz mit dem Falzbein oder dem Handballen glatt.
- Zuschneiden. Sind die Kanten nicht bündig, schneide die offene Seite mit Cutter und Lineal nach. Lieber mehrmals leicht ziehen als einmal fest.
Der häufigste Fehler ist, den Karton ohne Vorritzen zu falten. Die Kante wird dann rau und weiß, und die Farbe platzt ab. Der zweite: das Lineal beim Ritzen verrutschen lassen. Drück es mit gespreizten Fingern fest auf.
Drei Gestaltungsideen ohne Bastelerfahrung
Du brauchst weder Stanzer noch Prägefolie. Diese drei Ideen habe ich als Kind bei Oma gemacht, und sie sehen auf 250 g Karton noch immer gut aus.
- Kartoffelstempel. Eine rohe Kartoffel halbieren, mit einem Küchenmesser einen Stern oder einen Tannenbaum als erhabene Form herausschneiden. Die Schnittfläche trocken tupfen, Wasser- oder Acrylfarbe mit dem Pinsel auftragen und erst auf ein Probeblatt drücken. Meist wird erst der zweite Abdruck sauber. Ein Stern in der Mitte der Vorderseite, mehr braucht die Karte nicht.
- Fingerabdruck-Lichterkette. Mit Bleistift eine lockere Wellenlinie über die Vorderseite zeichnen. Dann den kleinen Finger in Farbe tauchen und im Abstand von etwa zwei Zentimetern bunte Punkte unter die Linie setzen. Jeder Punkt ist eine Glühbirne. Zum Schluss mit einem schwarzen Fineliner die Linie nachziehen und an jeden Punkt eine kleine Fassung malen.
- Buntstift-Rahmen. Für alle, die ungern malen. Mit dem Lineal einen Rahmen einen Zentimeter vom Rand entfernt anzeichnen. Dann mit zwei Farben, etwa Dunkelgrün und Rot, kurze schräge Striche abwechselnd entlang des Rahmens setzen, immer im gleichen Winkel. In die Mitte kommt nur "Frohe Weihnachten" in deiner Handschrift.
Lass die Farbe eine Stunde trocknen, bevor die Karte in den Umschlag kommt. Oma legte sie dafür auf die Ofenbank.
Was in eine Weihnachtskarte hineingehört
Vor der leeren Innenseite sitzen viele ratlos. Oma hatte dafür eine Ordnung mit vier Bausteinen.
- Die Anrede. So, wie du den Menschen im Alltag ansprichst. "Liebe Frau Berger" für die Nachbarin, "Hallo Jonas" für den Kollegen.
- Ein persönlicher Satz. Der wichtigste Teil. Etwas, das nur diesem Empfänger gilt: eine Erinnerung aus dem Jahr, ein Dank, eine Frage.
- Der Wunsch. Frohe Weihnachten, ein gutes neues Jahr, ruhige Tage.
- Die Unterschrift. Bei Familien mit allen Namen. Kinder unterschreiben selbst, auch wenn nur ein Krakel herauskommt.
Fünf Beispiele, die du für deine eigenen Karten abwandeln kannst:
- Für die Nachbarn. "Liebe Familie Krüger, danke, dass ihr im Sommer unsere Blumen gegossen und im Herbst das Paket angenommen habt. Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr. Eure Nachbarn aus dem zweiten Stock, Anna und Tom."
- Für einen Kollegen. "Hallo Jonas, ohne deine Ruhe bei der Umstellung im März wäre das Jahr für mich viel länger geworden. Ich wünsche dir und deiner Familie erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Bis Januar, Sabine."
- Für die Oma. "Liebe Oma, ich denke oft an deine Wäscheleine mit den Karten über dem Ofen. Dieses Jahr hängt bei mir auch eine, und deine Karte bekommt den ersten Platz. Frohe Weihnachten, ich komme am zweiten Feiertag zum Kaffee. Deine Lena."
- Für eine Freundin. "Liebe Mira, unser verregnetes Wochenende am See im Juni war trotzdem das schönste des Jahres. Ich wünsche dir Weihnachten mit viel Schlaf und wenig Verpflichtungen. Im Januar holen wir das Kino nach. Deine Katja."
- Für die Familie. "Liebe Eltern, lieber Max, dieses Jahr war voll, und ihr habt uns durch alles begleitet, vom Umzug bis zur Einschulung. Wir freuen uns auf die Tage bei euch und auf Papas Gans. Frohe Weihnachten, Julia, Sven und Emil."
Ein Rat von Oma: Schreib erst auf einen Zettel, dann in die Karte. Ein durchgestrichenes Wort sieht man immer.
Porto und der richtige Zeitpunkt
Eine A6-Klappkarte aus 250-g-Karton wiegt etwa 8 Gramm, mit Umschlag rund 12 bis 13 Gramm. Damit bleibt sie unter der Grenze für den Standardbrief bis 20 Gramm, solange du kein Foto und kein zweites Blatt dazulegst. Dann wird es knapp, und die Küchenwaage entscheidet. Eine Postkarte ohne Umschlag hat einen eigenen Tarif. Die aktuellen Preise für beides sieh bitte bei der Post nach, sie ändern sich alle paar Jahre, und ich möchte dir keine veraltete Zahl nennen.
Beim Zeitpunkt war Oma streng. Ihre Karten gingen in der ersten Dezemberwoche weg, keinen Tag später. 2026 ist der 1. Dezember ein Dienstag, die erste Dezemberwoche endet also am Sonntag, dem 6. Dezember. Wer bis dahin einwirft, hat Luft für die vollen Postwege im Advent, und die Karte hängt beim Empfänger die ganze Adventszeit an der Wand.
Omas Karten zum Ausdrucken
Falls dir für die Vorderseiten die Ideen ausgehen oder die Zeit für Kartoffelstempel fehlt, habe ich acht Klappkarten im Format A6 zusammengestellt, mit Spruch auf der Vorderseite, gestalteter Innenseite und einem Umschlag C6 zum Selberfalten. Die Sammlung heißt Omas Weihnachtskarten zum Ausdrucken, und du findest sie hier: Omas Weihnachtskarten auf Etsy
Schreib einen ehrlichen Satz hinein und bring sie in der ersten Dezemberwoche zur Post. Und vielleicht spannst du dieses Jahr auch eine Leine.
Weitere Artikel
- Zwiebelsaft mit Honig, wie Oma ihn angesetzt hat
- Putzen mit Natron: Was Oma womit gemacht hat
- Familienrezepte aufschreiben: eine Anleitung mit Vorlagen
- Wichteln: Regeln, Ablauf, Budget und die schönsten Varianten
- Wunschzettel schreiben mit Kindern: Ritual, Brief und Familienliste
- Zeit verschenken: 30 kostenlose Gutschein-Ideen für Weihnachten
- Brückentage 2027: Feiertage, Urlaubsrechnung und Omas Jahresplanung