Weihnachtskarten selber machen: Falzen, Gestalten, Schreiben

Über dem Kohleofen in Omas Küche hing im Dezember eine Wäscheleine. Keine Socken daran, sondern Karten. Jede Weihnachtskarte, die mit der Post kam, klemmte sie mit einer Holzklammer an die Schnur, und bis Heiligabend hing dort eine ganze Reihe: Engel, Tannen, verschneite Dörfer, dazwischen ein paar krumme Zeichnungen von uns Enkeln. Wenn der Ofen bullerte, bewegten sich die Karten leicht in der warmen Luft. Ich saß auf der Ofenbank und las die Rückseiten.

Ihre eigenen Karten hat Oma immer selbst gemacht: Karton vom Schreibwarenladen, mit dem Brotmesser gefalzt, mit Füller beschrieben. Hier zeige ich dir, wie du Weihnachtskarten selber machen kannst, auch wenn du noch nie gebastelt hast.

Material und Formate: Karton, Messer, Lineal und drei Maße

Du kommst mit wenigen Dingen aus, das meiste hast du wahrscheinlich schon zu Hause.

Bei den Formaten geht es nur um drei Zahlen, und die passen zueinander.

Für einen selbst gefalteten Umschlag nimm dünneres Papier mit 100 bis 120 g.

Drucken und falzen Schritt für Schritt

So gehe ich in meiner eigenen Küche vor.

  1. Vorlage im Format A5 quer anlegen. Die rechte Hälfte wird die Vorderseite der Karte, die linke die Rückseite. Innenseite und Außenseite sind zwei getrennte Druckseiten.
  2. Probedruck auf normalem Papier. Bevor der teure Karton in den Drucker geht, drucke die Vorlage auf 80-g-Papier und falte sie. Ich habe einmal zehn Bögen mit dem Motiv auf der Rückseite gedruckt, weil ich das übersprungen habe.
  3. Karton einlegen. Beim beidseitigen Druck das Blatt nach der ersten Seite ein paar Minuten trocknen lassen, bevor du es wendest. Tinte auf Karton braucht länger als auf Papier.
  4. Falzlinie markieren. Miss die Mitte aus, bei A5 quer sind das 105 mm vom Rand, und setze oben und unten einen feinen Bleistiftpunkt.
  5. Vorritzen. Lineal an die beiden Punkte legen und mit Falzbein oder Messerrücken einmal kräftig entlangziehen. Nicht schneiden, nur drücken. Du hörst ein leises Knistern, wenn die Fasern nachgeben.
  6. Falten. Knicke die Karte so, dass die Rille außen auf dem Rücken liegt. Dann bricht die Oberfläche nicht auf. Streiche den Falz mit dem Falzbein oder dem Handballen glatt.
  7. Zuschneiden. Sind die Kanten nicht bündig, schneide die offene Seite mit Cutter und Lineal nach. Lieber mehrmals leicht ziehen als einmal fest.

Der häufigste Fehler ist, den Karton ohne Vorritzen zu falten. Die Kante wird dann rau und weiß, und die Farbe platzt ab. Der zweite: das Lineal beim Ritzen verrutschen lassen. Drück es mit gespreizten Fingern fest auf.

Drei Gestaltungsideen ohne Bastelerfahrung

Du brauchst weder Stanzer noch Prägefolie. Diese drei Ideen habe ich als Kind bei Oma gemacht, und sie sehen auf 250 g Karton noch immer gut aus.

Lass die Farbe eine Stunde trocknen, bevor die Karte in den Umschlag kommt. Oma legte sie dafür auf die Ofenbank.

Was in eine Weihnachtskarte hineingehört

Vor der leeren Innenseite sitzen viele ratlos. Oma hatte dafür eine Ordnung mit vier Bausteinen.

  1. Die Anrede. So, wie du den Menschen im Alltag ansprichst. "Liebe Frau Berger" für die Nachbarin, "Hallo Jonas" für den Kollegen.
  2. Ein persönlicher Satz. Der wichtigste Teil. Etwas, das nur diesem Empfänger gilt: eine Erinnerung aus dem Jahr, ein Dank, eine Frage.
  3. Der Wunsch. Frohe Weihnachten, ein gutes neues Jahr, ruhige Tage.
  4. Die Unterschrift. Bei Familien mit allen Namen. Kinder unterschreiben selbst, auch wenn nur ein Krakel herauskommt.

Fünf Beispiele, die du für deine eigenen Karten abwandeln kannst:

Ein Rat von Oma: Schreib erst auf einen Zettel, dann in die Karte. Ein durchgestrichenes Wort sieht man immer.

Porto und der richtige Zeitpunkt

Eine A6-Klappkarte aus 250-g-Karton wiegt etwa 8 Gramm, mit Umschlag rund 12 bis 13 Gramm. Damit bleibt sie unter der Grenze für den Standardbrief bis 20 Gramm, solange du kein Foto und kein zweites Blatt dazulegst. Dann wird es knapp, und die Küchenwaage entscheidet. Eine Postkarte ohne Umschlag hat einen eigenen Tarif. Die aktuellen Preise für beides sieh bitte bei der Post nach, sie ändern sich alle paar Jahre, und ich möchte dir keine veraltete Zahl nennen.

Beim Zeitpunkt war Oma streng. Ihre Karten gingen in der ersten Dezemberwoche weg, keinen Tag später. 2026 ist der 1. Dezember ein Dienstag, die erste Dezemberwoche endet also am Sonntag, dem 6. Dezember. Wer bis dahin einwirft, hat Luft für die vollen Postwege im Advent, und die Karte hängt beim Empfänger die ganze Adventszeit an der Wand.

Omas Karten zum Ausdrucken

Falls dir für die Vorderseiten die Ideen ausgehen oder die Zeit für Kartoffelstempel fehlt, habe ich acht Klappkarten im Format A6 zusammengestellt, mit Spruch auf der Vorderseite, gestalteter Innenseite und einem Umschlag C6 zum Selberfalten. Die Sammlung heißt Omas Weihnachtskarten zum Ausdrucken, und du findest sie hier: Omas Weihnachtskarten auf Etsy

Schreib einen ehrlichen Satz hinein und bring sie in der ersten Dezemberwoche zur Post. Und vielleicht spannst du dieses Jahr auch eine Leine.

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