Backofen reinigen mit Natron: So hat Oma es gemacht
Wenn bei meiner Oma der Sonntagsbraten aus dem Ofen kam, blieb am Montag immer ein bisschen Arbeit übrig. Eingebrannte Fettspritzer an der Rückwand, ein dunkler Rand auf dem Blech, Schlieren auf der Scheibe. Scharfe Backofensprays hatte sie nie im Schrank. Sie stellte stattdessen eine kleine Schüssel auf den Küchentisch, holte die Dose mit Natron und rührte eine Paste an. Am nächsten Morgen ging der Schmutz mit einem feuchten Tuch herunter.
Ich habe diese Methode aufgeschrieben, so wie ich sie bei ihr gelernt habe, und sie in meiner eigenen Küche viele Male ausprobiert. Sie braucht Zeit, aber kaum Kraft, und die Zutaten kosten fast nichts.
Was du brauchst
- 4 bis 5 Esslöffel Natron (Speisenatron, auch Natriumhydrogencarbonat genannt)
- 3 bis 4 Esslöffel warmes Wasser
- eine kleine Schüssel und einen Löffel
- einen Pinsel, einen alten Spatel oder einfach Gummihandschuhe
- einen weichen Schwamm und ein Mikrofasertuch
- eine Sprühflasche mit Wasser, auf Wunsch mit einem Schuss Haushaltsessig (nicht Essigessenz)
- für Gitter und Bleche: eine große Wanne oder das Spülbecken
Bevor du anfängst: Welcher Ofen steht bei dir?
Das ist der wichtigste Schritt, und Oma hätte ihn heute sicher auch gemacht. Schau in die Bedienungsanleitung deines Backofens, bevor du irgendetwas aufträgst.
Ofen mit Pyrolyse: Diese Öfen reinigen sich selbst, indem sie sehr hoch aufheizen und Rückstände zu Asche verbrennen. Hier trägst du keine Natronpaste und kein anderes Reinigungsmittel auf den Innenraum auf, außer der Hersteller erlaubt es ausdrücklich. Reste davon können beim nächsten Pyrolyse-Durchgang einbrennen oder die Emaille angreifen. Nach der Pyrolyse wischst du die Asche nur mit einem feuchten Tuch aus.
Ofen mit katalytischer Beschichtung: Die Rückwand oder die Seitenwände sind mit einer rauen, porösen Schicht überzogen, die Fett beim Backen aufnimmt und abbaut. Diese Flächen dürfen weder geschrubbt noch mit Pasten, Scheuermitteln oder Sprays behandelt werden. Die Poren setzen sich sonst zu. Die Natronpaste kommt hier höchstens auf den glatten Emaille-Boden, und auch das nur, wenn die Anleitung es zulässt.
Normaler Emaille-Ofen: Für diesen Ofen ist die folgende Methode gedacht.
Egal welcher Ofen: Heizstäbe, der Lüfter an der Rückwand, die Türdichtung und das Thermometer oder die Temperaturfühler bleiben frei von Paste.
Die Natronpaste Schritt für Schritt
- Ofen ausschalten und abkühlen lassen. Der Innenraum muss ganz kalt sein. Zieh am besten den Stecker oder stell sicher, dass niemand den Ofen versehentlich einschaltet.
- Alles herausnehmen. Bleche, Roste, Auszüge und lose Krümel kommen raus. Grobe Brösel fegst du mit einem Handfeger oder einem trockenen Tuch zusammen.
- Paste anrühren. Gib 4 Esslöffel Natron in die Schüssel und rühre nach und nach etwa 3 Esslöffel warmes Wasser ein. Die Paste soll so dick sein wie Zahnpasta, sie darf an der Wand nicht herunterlaufen. Ist sie zu flüssig, gib noch etwas Natron dazu.
- Auftragen. Verteile die Paste mit dem Pinsel oder mit den behandschuhten Fingern auf Boden, Seitenwänden und Tür-Innenseite. Auf dunklen, eingebrannten Stellen darf die Schicht ruhig etwas dicker sein. Die Paste färbt sich dabei oft bräunlich, das ist der gelöste Schmutz.
- Einwirken lassen. Oma machte das abends und ließ die Paste über Nacht wirken, also etwa 10 bis 12 Stunden. Tür zu, fertig.
- Abnehmen. Am nächsten Tag nimmst du die angetrocknete Paste mit einem feuchten Schwamm oder einem Spatel aus Kunststoff ab. Kein Metallspatel, der hinterlässt Kratzer.
- Nachsprühen. Bleibt ein weißer Schleier zurück, sprühst du die Stellen mit Wasser ein. Wenn du einen kleinen Schuss Haushaltsessig ins Wasser gibst, schäumt es kurz auf, und die Natronreste lassen sich leichter wegwischen.
- Klar nachwischen. Zum Schluss wischst du alles zwei- bis dreimal mit klarem Wasser und einem ausgewrungenen Tuch nach. Dann die Tür eine Stunde offen stehen lassen, damit alles trocknet.
Backbleche
Bei Blechen kommt es auf das Material an.
Emaillierte Bleche (die üblichen dunklen Ofenbleche) streust du dünn mit etwa 2 Esslöffeln Natron ein und beträufelst sie mit so viel Wasser, dass eine feuchte Schicht entsteht. Nach ein paar Stunden, bei hartnäckigen Rändern über Nacht, reibst du sie mit der weichen Seite eines Schwamms ab.
Bleche aus Aluminium behandelst du nicht mit Natron. Aluminium kann sich dadurch dunkel verfärben und fleckig werden. Hier reicht heißes Wasser mit etwas Spülmittel und Geduld.
Bleche mit Antihaftbeschichtung bekommen weder Scheuermittel noch harte Schwämme ab. Einweichen in warmem Spülwasser und sanftes Abwischen genügt.
Backofengitter
Das Gitter war bei Oma immer die mühsamste Arbeit, weil es in kein Spülbecken passt. Sie legte es in die Badewanne, auf ein altes Handtuch, damit die Wanne keine Kratzer bekommt.
- So viel heißes Wasser einlassen, dass das Gitter bedeckt ist.
- Etwa 5 Esslöffel Natron und einen Spritzer Spülmittel ins Wasser rühren.
- Das Gitter einige Stunden oder über Nacht einweichen lassen.
- Die Streben mit einer alten Spülbürste abbürsten und mit klarem Wasser abspülen.
- Gut abtrocknen, damit keine Wasserflecken bleiben.
Danach die Wanne gründlich ausspülen. Hat deine Badewanne eine empfindliche Oberfläche, nimm lieber eine große Kunststoffwanne auf dem Balkon oder im Keller.
Die Glastür
Durch eine saubere Scheibe siehst du wieder, wie der Kuchen bräunt, und das war Oma wichtig.
Die Innenseite der Scheibe bekommt dieselbe Paste wie der Innenraum. Trag sie auf, lass sie zwei bis drei Stunden wirken und nimm sie mit einem feuchten Schwamm ab. Danach mit Wasser und einem Mikrofasertuch trocken polieren.
Bei vielen Öfen besteht die Tür aus mehreren Glasscheiben, zwischen die mit der Zeit Fett und Staub geraten. Ob und wie du die Scheiben ausbauen kannst, steht in der Bedienungsanleitung. Bau sie nur aus, wenn der Hersteller das vorsieht, und merk dir die Reihenfolge. Die Scheiben sind schwer und können beim Herunterfallen zerbrechen, also leg ein Handtuch unter.
Was schiefgehen kann
- Die Paste läuft herunter. Sie ist zu dünn. Mehr Natron einrühren und neu auftragen.
- Weiße Streifen nach dem Trocknen. Es sind Natronreste. Noch einmal mit klarem Wasser nachwischen, gegebenenfalls mit etwas verdünntem Essigwasser, danach wieder mit klarem Wasser.
- Der Schmutz geht nicht ganz ab. Ganz alte Krusten brauchen oft zwei Durchgänge. Lieber ein zweites Mal einweichen als mit Stahlwolle kratzen.
- Beim ersten Aufheizen riecht es. Dann ist noch etwas Paste oder Schmutz im Ofen. Ofen abkühlen lassen und nachwischen.
- Die katalytische Wand sieht fleckig aus. Wurde sie mit Paste behandelt, kann die Beschichtung verklebt sein. Hier hilft nur der Blick in die Anleitung oder eine Nachfrage beim Hersteller.
Sicherheit geht vor
Natron ist ein mildes Hausmittel, trotzdem gehört ein bisschen Vorsicht dazu.
- Mische Essig niemals mit chlorhaltigen Reinigern. Dabei entsteht giftiges Chlorgas. Benutze Essig und Chlorreiniger auch nicht direkt nacheinander auf derselben Fläche.
- Essigessenz ist ätzend. Sie hat einen viel höheren Säuregehalt als Haushaltsessig, reizt Haut, Augen und Atemwege und gehört nicht unverdünnt in die Sprühflasche. Nimm für diese Methode einfachen Haushaltsessig.
- Trag Handschuhe, wenn du empfindliche Haut hast, und wasch dir nach der Arbeit die Hände.
- Halte Kinder und Haustiere fern, solange Paste im Ofen ist, und bewahre Natron, Essig und alle Reiniger außer Reichweite auf.
- Kein Essig auf Naturstein oder Marmor. Wenn deine Arbeitsplatte aus Marmor oder Kalkstein ist, stell die Sprühflasche nicht darauf ab und wisch Spritzer sofort mit Wasser weg. Säure macht diese Steine stumpf.
- Kein Natron auf Aluminium, weder bei Blechen noch bei Zierleisten.
- Ofen immer kalt und ausgeschaltet reinigen.
Damit es gar nicht erst so weit kommt
Oma hatte eine einfache Regel: Was heute spritzt, wird heute weggewischt. Ist der Ofen nur noch lauwarm, gehen frische Fettspritzer mit einem feuchten Tuch fast von selbst ab. Die gründliche Reinigung mit Paste stand bei ihr fest im Plan, ungefähr alle vier bis sechs Wochen.
Genau so einen Plan habe ich nach ihrem Vorbild zusammengestellt. In Omas Putzplan & Haushaltsplaner stehen der Backofen und all die anderen Aufgaben, die man gern vergisst, übersichtlich nach Tagen, Wochen und Monaten sortiert. Wenn du magst, findest du ihn hier: Omas Putzplan & Haushaltsplaner auf Etsy ansehen