Wichteln: Regeln, Ablauf, Budget und die schönsten Varianten

Bei meiner Oma wurde am zweiten Weihnachtstag gewichtelt. Nicht an Heiligabend, da gab es die richtigen Geschenke, sondern am 26. Dezember, wenn die ganze Familie zum Mittagessen kam und danach niemand mehr vom Sofa aufstehen wollte. Die Lose hatte Oma schon im November gezogen, als wir zum Kaffee da waren: kleine Zettel in ihrer alten Zuckerdose, jeder nahm einen, und wer sich selbst zog, musste noch einmal greifen. Mehr als zehn Mark durfte das Geschenk nicht kosten, das war ihr Gesetz. Meine Cousine hat trotzdem einmal sechs selbst gestrickte Topflappen bekommen, und Oma hat behauptet, die hätten keinen Pfennig gekostet.

Was mir geblieben ist: Wichteln braucht wenig Geld, aber klare Regeln. Wenn die stimmen, hat auch der Onkel Spaß, der sonst über jede Geschenkidee stöhnt. Hier ist alles, was ich von Oma übernommen und über die Jahre ergänzt habe.

Was Wichteln ist und woher der Brauch kommt

Beim Wichteln beschenkt jede Person in einer Gruppe genau eine andere, meist heimlich und mit einer festen Preisgrenze. Der Name kommt vom Wichtelmännchen aus den Volkserzählungen, dem kleinen Helfer, der nachts unbemerkt Arbeit erledigt. Genau das macht ein Wichtel: Er sorgt für eine Freude, ohne gesehen zu werden.

In Skandinavien heißt der Brauch Julklapp, aus Jul (Weihnachten) und klapp (Klopfen), weil das Geschenk früher nach einem Klopfen an der Tür in die Stube geworfen wurde, bevor der Schenkende verschwand. Im englischen Sprachraum sagt man Secret Santa. Wie alt der Brauch ist, lässt sich nicht sicher belegen; in Familien, Schulklassen und Büros gehört er seit Jahrzehnten zum Dezember.

Der klassische Ablauf in fünf Schritten

Würfelwichteln, Schrottwichteln und Räuberwichteln

Beim Würfelwichteln zieht niemand Lose. Alle bringen ein verpacktes Geschenk ohne Namen mit. Die Päckchen kommen in die Mitte, dann nimmt sich jede Person eines, ohne es zu öffnen. Stell eine Küchenuhr auf 15 Minuten. Bis sie klingelt, wird reihum gewürfelt, und jede Person führt sofort aus, was ihre Augenzahl sagt:

| Augenzahl | Aktion |
|---|---|
| 1 | Du gibst dein Geschenk nach links weiter |
| 2 | Du gibst dein Geschenk nach rechts weiter |
| 3 | Du tauschst mit deinem linken Nachbarn |
| 4 | Du tauschst mit einer Person deiner Wahl |
| 5 | Alle geben ihr Geschenk nach rechts weiter |
| 6 | Du behältst dein Geschenk und setzt einmal aus |

Wenn die Uhr klingelt, behält jede Person das Päckchen, das sie gerade in der Hand hat, und packt es aus. Zwei Varianten: Nach dem Auspacken noch einmal zehn Minuten würfeln, jetzt sieht jeder, was er weitergibt. Mit Kindern gelten nur 1, 2 und 6, alle anderen Zahlen werden neu gewürfelt. Lies die Regeln vorher laut vor und leg sie sichtbar auf den Tisch, sonst diskutiert die Familie bei der dritten 5 über links und rechts.

Beim Schrottwichteln wird nichts gekauft. Jede Person sucht zu Hause etwas, das sie nicht mehr braucht, das aber heil und sauber ist: die Vase von der Tante, das Puzzle mit garantiert allen Teilen, der Wandkalender vom vorletzten Jahr. Das wird hübsch verpackt, damit die Enttäuschung beim Auspacken umso schöner ist. Tabu sind Kaputtes, Verschmutztes, abgelaufene Lebensmittel und alles, was eine Person in der Runde verletzen könnte. Verteilt wird per Würfel wie oben oder per Räuberwichteln, denn der Spaß liegt im Tauschen.

Beim Räuberwichteln ist kein Geschenk sicher. Auch hier kommt jedes Päckchen in die Mitte, dazu ziehen alle eine Zahl für die Reihenfolge.

  1. Person 1 nimmt ein Päckchen aus der Mitte und packt es vor allen aus.
  2. Person 2 hat die Wahl: ein neues Päckchen auspacken oder Person 1 das Geschenk wegnehmen. Wer beraubt wird, nimmt ein neues Päckchen oder klaut ein anderes ausgepacktes, aber nicht das gerade verlorene.
  3. So geht es weiter, bis die Mitte leer ist.
  4. Jedes Geschenk darf höchstens dreimal den Besitzer wechseln. Nach dem dritten Klau ist es eingefroren und bleibt, wo es ist.
  5. Zum Schluss darf Person 1 als Einzige noch einmal tauschen, mit wem sie will. Das ist ihr Ausgleich dafür, dass sie am Anfang keine Wahl hatte.

Bei acht Leuten dauert das etwa eine halbe Stunde. Ab fünfzehn Personen teilst du besser in zwei Runden auf.

Wunschzettel, Büro und Familie

Nicht jede Gruppe möchte Überraschungen. Wenn sich die Leute wenig kennen, ist das Wichteln mit Wunschzettel die verlässlichere Form: Jede Person schreibt drei Wünsche im Rahmen des Budgets auf, der Zettel kommt zusammen mit dem Namen in die Losschale. Wer den Namen zieht, hat gleich drei Ideen, und niemand bekommt zum vierten Mal ein Duschgel.

Im Büro ist die Teilnahme freiwillig, und wer nicht mitmacht, wird nicht schief angesehen. Eine Person organisiert, führt die Liste und bewahrt sie verschlossen auf. Geschenke mit Anspielungen auf Alter, Figur oder Privatleben sind tabu. Das Budget liegt meist bei 5 oder 10 Euro, die Übergabe an einem festen Tag, an dem alle da sind.

In der Familie ist die größte Frage, wie die Kinder mitmachen. Bei uns hatten sie ihr eigenes Budget, die Hälfte von dem der Erwachsenen, und Oma ist mit ihnen einkaufen gegangen, ohne den Namen zu verraten.

Typische Pannen und eine Checkliste

Und damit du nichts vergisst, meine Liste vor jedem Wichteln:

Omas Zuckerdose für deinen Tisch

Oma hat ihre Lose jedes Jahr neu von Hand geschrieben, auf Zettel vom Küchenblock. Ich habe daraus ein kleines Wichtel-Set zum Ausdrucken zusammengestellt: Lose zum Ausschneiden, Wunschzettel, Geschenkanhänger und die Spielregeln für Würfelwichteln und Schrottwichteln auf je einem Blatt, sodass sie beim Fest auf dem Tisch liegen können. Du findest es hier: Omas Wichtel-Set auf Etsy

Und wenn dein Wichtel dir sechs Topflappen schenkt, denk an meine Cousine. Die benutzt ihre bis heute.

Weitere Artikel